Kopfweiden an der Alpe geschnitten
Mitte Januar haben wir spontan an der Alpe eine Kopfweide, die wir im letzten Jahr nicht mehr geschafft hatten, geschnitten. Kopfweiden dürfen nur von Oktober bis Ende Februar geschnitten werden. Eine Kopfweide ist eine spezielle Baumform der Weide, die durch das „Köpfen“ des Stammes und dem späteren, regelmäßigen Schnitt der aus dem Kopf ausgetriebenen Äste entstanden ist.
Kopfweiden, die länger nicht geschnitten werden, drohen unter dem Gewicht der Kopfäste auseinander zu brechen. Damit wäre ein wertvoller Lebensraum zerstört. Durch den regelmäßigen Schnitt entstehen in den Kopfweiden zahlreiche wertvolle Höhlen.
Diese werden von vielen Vögeln (u.a.: Bachstelze, Gartenrotschwanz, Grauschnäpper, Hausrotschwanz, Hohltaube, Rotkehlchen, Stockente, Sumpfmeise, Waldkauz, Wiedehopf, Zaunkönig) als Brutstätte genutzt.
Kopfbäume sind auch für viele weitere Tierarten überlebenswichtig. Über 200 Insektenarten, darunter viele Spezialisten, die in Bezug auf Ernährung, Fortpflanzung und Lebensweise von der Weide abhängig sind, leben in, auf oder von ihr. Am häufigsten sind dabei die Käfer (z.B. Moschusbock und Weberbock) mit ca. 100 Arten, es sind typische Kopfweidenbewohner.
Für die Honigbiene dienen Weiden im Frühjahr, dank des Nektars ihrer reichlichen Weidenkätzchen, als wichtige Nahrungsquelle. Auch Hornissen nutzen alte Weiden wegen ihrer Höhlen gerne als Wohnstätte.
Säugetiere wie der Steinmarder und der Siebenschläfer nutzen ebenfalls die Höhlen. Die Federmäuse benutzen ebenfalls die Versteckmöglichkeiten. Gleichzeitig finden sie hier auch Nahrung. Flechten, Moose und sogenannte „Aufsitzer“ (so werden pflanzen bezeichnet, die auf anderen Pflanzen wachsen) wie Holunder, Weidenröschen, Bittersüßer Nachtschatten, Taubnessel, Brombeere und Stachelbeere siedeln sich auf Kopfweiden an.
Wolfgang Deppe




